Südostdeutscher Siedler
Der südostdeutsche Siedler ist seinem Wesen nach konservativ und fortschrittlich zugleich. Mit einer nur ihm eigenen Zähigkeit hängt er am Herkömmlichen fest. Seine Trachten, Bräuche, Sagen und Lieder, sein Leben im Jahreskreis, von der Wiege bis zum Grabe, geben ein beredtes Zeugnis dafür. Er ist fortschrittlich und aufgeschlossen für jede Art von zweckmäßiger Neuerung, er ist bildungsfähig und leistete durch mehrere Jahrhunderte auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet Hervorragendes. Der Südostdeutsche war der Lehrmeister aller umwohnenden Völker. Nicht zufällig sind die deutschen Wörter Pflug und Schraube in den Sprachschatz der Nachbarn eingegangen. Groß ist auch die Zahl der Siedlersöhne, die in gehobene Lebensstellungen emporstiegen. Mit verschwenderischer Freigiebigkeit schickte das Kolonistendorf des Südostens seine Söhne als Gelehrte, Wissenschaftler, Künstler, Staatsmänner und Soldaten in die Welt, um schließlich selbst das zu bleiben, was es immer war: Eine gesunde Zelle im Staate mit einem eindeutigen christlich-abendländischen Ordnungswillen.
(Textauszug - Beitrag "Die Donauschwaben Land und Leute" von Hans Diplich - aus der Festschrift zur 25Jahrfeier des Kreisverbandes Reutlingen der Landsmannschaft der Donauschwaben - 12. Oktober 1974 - entnommen).
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