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Rosinas Briefe 2011


 
Eigentlich glaubte ich, dass nun alles zum Thema rund um die alte und verlorene Heimat und die damit verbunden Emotionen gesagt ist. Seit vielen Jahren wird dieses Thema aufgegriffen und behandelt. Viele Gedanken und Wahrheiten sind gesagt worden.

Und dann schauten mein Mann und ich uns auf Empfehlung unserer Tochter einen Film an. Einen ganz besonderen Film, wie sich herausstellen sollte, der mit vielen Auszeichnungen prämiert wurde. Ein Film, der mich auch jetzt, einige Wochen später, noch immer sehr beschäftigt.Der Titel des Films ist: „Die fünf Menschen,die dir im Himmel begegnen“ nach dem Bestseller Roman von Mitch Albom. Man überlegt natürlich gleich, wer wird das sein diese fünf Menschen und denkt sicherlich zuerst an Personen, die einem besonders nahe gestanden haben, vielleicht ein Ehepartner, Eltern, Großeltern, Kinder, Freunde. Doch es kam alles anders. Zitat aus der Film-Beschreibung: „Diese Geschichte beginnt, wo andere enden. An seinem 83. Geburtstag kommt Eddie an seinem Arbeitsplatz, dem Vergnügungspark Ruby Pier, bei einem tragischen Unfall ums Leben. Er erwacht im Himmel und trifft dort auf fünf Menschen, die in seinem Leben eine entscheidende  Rolle gespielt haben und ihn an verschiedene Orte seiner Vergangenheit bringen. Anhand ihrer Erzählungen offenbaren sie Eddie schicksalhafte Zusammenhänge in seinem Leben, die ihm bislang verborgen waren. Sie lehren ihn, sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen und zeigen ihm den verborgenen Sinn in
einem nur scheinbar bedeutungslosen Dasein“.

Da sie vielleicht nie die Gelegenheit haben werden, diesen besonderen Film anzuschauen, erlauben Sie mir, die Handlung etwas ausführlicher zu schildern: Als erstes tritt ein Mann auf Eddie zu, der ihm erklärt, was ihn in der kommenden Zeit erwarten wird und dass er selbst die erste Person ist, die ihn belehren wird. Eddie hat diesen Mann nie zuvor gesehen. Es stellt sich heraus, dass der Fremde eines Tages mit einem Ball spielenden Kindern mit dem Auto ausgewichen ist und durch die damit verbundene Aufregung einen Herzinfarkt erlitt und noch inseinem Wagen starb. Eddie hatte nie gewusst,dass ihm dieser Mann das Leben gerettet hat und deshalb selber sterben musste, und er lernte, dass es Menschen gibt, die eine schicksalhafte Rolle spielen
in unserem Leben, von denen wir nie erfahren.

Als zweites begegnete ihm sein Kommandant aus der Zeit des Krieges (wahrscheinlich ist der Korea-Krieg gemeint). Eddie wurde gefangen genommen und wurde zur Zwangsarbeit in einem Steinbruch verurteilt. Bei der Flucht mit anderen Kameraden wurde er durch eine Schusswunde stark am Bein verwundet und litt für den Rest seines Lebens unter dieser Verletzung. Sein Herz war deswegen
von großer Bitterkeit erfüllt. Nun erfuhr er, dass sein damaliger Kommandant selber den Schuss abgegeben hatte, um ihm das Leben zu retten, da er keine andere Möglichkeit sah, ihn aus einer
Gefahrenzone zu bringen. Dieser Kommandant kam selber ums Leben als er auf dem Fluchtweg beim Inspizieren eines Weges für die Fluchtgruppe auf eine Mine trat. Eddie erkannte, dass ihm seine
Verletzung, unter der er so sehr gelitten hatte, das Leben gerettet hatte. Er war nun in der Lage, seine Verbitterung und seinen Hass aufzugeben, die ihn fast sein ganzes Leben begleitet hatten. Aufgrund seiner Kriegsverletzung und des frühen Todes seines Vaters kann Eddie das angestrebte Ingenieurstudium nicht absolvieren und bleibt als Techniker in dem Vergnügungspark Ruby Pier.

Darunter leidet er Zeit seines Lebens. Er lernt nun als dritte wichtige Person seines Lebens die Gründerin des Parks kennen und erfährt, wie eng sein Schicksal und das seiner Familie mit diesem Park verknüpft sind. Er lernt, dass es Dinge in unserem Leben gibt, von denen wir nichts wissen; die lange vor unserer Geburt entstanden sein und doch unser Leben nachhaltig beeinflussen können. Und er lernt, dass die Dinge oft nicht so sind wie wir denken, dass sie sind. Er erkennt, dass er die ganze Zeit am richtigen Platz war. Und er lernt zu vergeben!
Der vierte Mensch mit einer wichtigen Botschaft an ihn ist seine wunderschöne, über alles geliebte Frau. Er hatte sie durch Krankheit sehr früh verloren und haderte seit dem mit seinem Schicksal.

Nun darf er erkennen, dass die Liebe niemals aufhört. Es gibt nur eine Trennung auf Zeit. Die Liebe hat Bestand über den Tod hinaus und - die Liebe ist ewig! Als letztes lernt Eddie ein kleines, vielleicht fünf Jahre altes, koreanisches Mädchen kennen. Er hatte die ganzen Jahre über gespürt (und auch häufig deswegen Albträume gehabt), dass bei seiner Flucht aus dem Zwangsarbeiterlager noch etwas geschehen war, dass er aber nie wirklich zu fassen bekommen hatte. Nun muss er sich der Wahrheit stellen, dass er dieses kleine Kind bei seiner Flucht unabsichtlich getötet, ein junges Leben zerstört hat.

Doch das Kind hegt keinen Groll gegen ihn. Es lehrt ihn, dass sich der Kreis seines Lebens geschlossen hat, und er bei dem Unfall an seinem 83. Geburtstag, bei dem er selber ums Leben kam, einem anderen kleinen Mädchen das Leben gerettet hat. Er erfährt, dass alles in unserem Leben einen Sinn hat, auch wenn wir ihn jetzt noch nicht erkennen können.Und nun geht er nochmals voller Liebe und Freude über den, ja, wie soll man sagen, himmlischen Vergnügungspark und überall begegnen ihm Menschen, viele Eltern mit ihren Kindern, die ihm von Herzen danken für die in all diesen vielen Jahren geleistete verantwortungsbewusste Arbeit in Ruby Pier. Dadurch, dass er immer sein Bestes gab, hatte er für die Sicherheit und damit für die Gesundheit und das Leben all dieser Menschen gesorgt.

Sein von so viel Gram und Kummer und Schmerzen geprägtes, so bedeutungslos erscheinendes Leben, hatte einen Sinn, den er nun erkennen konnte. In gewisser Weise konnte ich mich in vielen
Situationen dieser Lebensschilderung wieder erkennen.

Wie oft geschehen Dinge in unserem Leben, die uns bekümmern, unter denen wir leiden. Wie oft in unserem Leben haben wir das Gefühl, versagt zu haben oder gar ein falsches Leben geführt zu haben. Häufig bekam ich schon zu hören: „Wenn damals mein Vater nicht so früh gestorben wäre, wäre mein Leben ganz anders verlaufen“. Oder: „Wenn nicht der Krieg gekommen wäre, hätte ich heiraten und unser Gut behalten können“. „Wenn wir mehr Geld gehabt hätten, hätte ich studieren können“. Sicher kennen auch Sie Beispiele dieser Art. Schon als Kinder haben wir das bewusste „Wenn-Wort“ gespielt: Wenn …......., dann Wie oft in unserem Leben sind wir Ereignissen ausgesetzt, die wir nicht zu verantworten haben, die mitunter gar völlig zufällig erscheinen. Wie oft sind wir den Folgen der Entscheidungen anderer Menschen, z.B. aus Politik und Wirtschaft, ausgesetzt, die wir nicht ändern können. Wie oft ist unser Lebensweg bestimmt durch die Entscheidungen derer, die vor uns auf dieser Erde weilten. Und wie oft treffen wir Entscheidungen im Hinblick auf die, die nach uns kommen. Wie oft erscheint uns unser Leben leer und bedeutungslos zu sein. Wie oft haben wir das Gefühl, versagt zu haben. Wie oft träumen wir davon, wie unser Leben hätte anders verlaufen können. Diese Aufzählung lässt sich sicher beliebig fortsetzen.

Es hat mich zutiefst berührt, in diesem Film zu sehen, dass unser Leben wie ein Kreis ist, der sich irgendwann schließt, zu sehen, dass alles, wirklich alles in unserem Leben einen Sinn hat. Auch wenn wir diesen heute noch nicht erkennen können. Es gibt keinen Zufall. Wir sind kein Zufall. Unser Leben ist kein Zufall. Wir erfüllen alle einen Zweck und eine Bestimmung.
Wie oft geschehen Dinge in unserem Leben, die uns bekümmern, unter denen wir leiden. Wie oft in unserem Leben haben wir das Gefühl, versagt zu haben oder gar ein falsches Leben geführt zu haben.

Viele Fragen nach dem Woher und Warum,die uns in diesem Leben beschäftigen, werden wir wohl während unseres Erdendaseins nie beantworten können. Doch es gibt mir Trost zu wissen, dass alles
seinen Sinn hat. Und es wird die Zeit kommen, da ich diesen Sinn erfahren werde. Es gibt jemanden, der diesen Sinn kennt, der über uns wacht, der uns so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingegeben hat, der unter unermesslichen Qualen sein Leben für uns hingegeben hat, damit wir Erlösung erfahren – unseren Schöpfer, unseren Vater im Himmel, unseren Gott. Vertrauen wir IHM und seiner Weisheit und seiner Liebe für uns!

Ich grüße Sie alle, meine treuen Leser, und wünsche Ihnen Mut und Zuversicht und Freude für Ihren weiteren Lebensweg – „denn Menschen sind, damit sie Freude haben können“ heißt es in einer Heiligen Schrift.

Für heute Ihre

Rosina Sperlich
                                                                                                                                                                                                                          
18.05.2013
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